
Symbiosis im Soluar
Nichtstun konsumieren
Wege entgrenzen
Übergang mitgestalten
Zufriedenheit leben
In achtsamer Haltung entdecken wir im Wesentlichen
neue Quellen für Kreativität, Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit.
Längst haben die Füße aufgegeben, über den weichen, tiefen Waldboden zu schweben, um nicht zu erlahmen. Zu viele Schritte liegen bereits hinter ihnen, zu schwer sitzt die Müdigkeit in ihnen, und bis zum Morgen des nächsten Tages scheint es noch unendlich weit. In der inzwischen mondklaren Nacht entdecken sie dann ganz unverhofft eine Hütte an einem kleinen Fluss. Die dürftige Einrichtung beschränkt sich auf einen Schrank, einen Tisch, einen Stuhl und ein Bett. Zwischen Schrank und Bett liegt auf dem Fußboden ein zerbrochener Bilderrahmen, über dem Stuhl hängt eine weiße Leinenhose.
Die kleine Veranda der Hütte bietet einen beruhigenden Blick auf den Fluss, in dem jetzt das Mondlicht tanzt. Vom glitzernden Wasser schweifen die Blicke langsam in die Ferne. Wie das Mondlicht durchbrechen sie die Wolken, hinter denen sie vom Morgen träumen, einfach nur träumen, mit dem Wind im Nacken, dem Licht in den Augen und der Hoffnung im Innern. Und tatsächlich kommt ihnen mit kleinen Schritten ein Lächeln entgegen. Wie das Mondlicht durchbricht es die Wolken zwischen der Vergangenheit der Heimat und der Heimat der Zukunft. Voller Sehnsucht nach Geborgenheit strecken die Blicke ihm ihre Hände entgegen, und dem Lächeln fällt es sehr leicht, sie zu ergreifen. Mit ebenso einer Leichtigkeit führt es sie an den leuchtenden Wolken vorbei in jene Welt zwischen Heute und Morgen.
Sanft wandelt ein Gefühl von Freiheit durch den Kopf und hinterläßt spürbar seine Spuren. Ihnen folgend, versinken Körper und Geist in Träume und werden erst erwachen, wenn sie wieder ins Heute gelangt sein werden. Ach, kämen sie doch nie an. In der befreiten Gegenwart des Augenblicks verschmelzen sie mit dem Du des Mondes und dem Es des Waldes. Aber was aus dieser Freiheit machen? Sie genießen, sie vergeuden? Richtig wertgeschätzt und genutzt, könnte sie so viel geben. Jemand müßte es lehren. Aber wer? In der Einsamkeit des Tages bleibt nur, alleine auf die Suche zu gehen.
Mond über den sich in die Weite verlaufenden Höhen und Tiefen, du läßt uns die Einsamkeit nicht spüren. Leben spendender Ballon am Horizont der Ewigkeit deines Lichts, du schenkst uns die Kraft zum Leben, ohne uns verstehen zu wollen. Du schenkst unserem Geist den Schatten in der Nacht, und niemals werden wir dich vergessen, mag passieren, was da will. Du als Teil von uns und wir als Teil von dir sind eins, und es gibt die Kraft nicht, die uns trennen könnte. Das Lächeln deines Mundes verzaubert die Traurigkeit unserer Seele und läßt uns die Wirklichkeit des Lebens ertragen. Die Melancholie deiner Augen hilft uns, die Kälte aus Fleisch und Blut zu vergessen. Die Magie deines runden Gesichts gibt uns unsere verlorenen Träume zurück.
Leise flüsterst du mit den Sternen, während gelber Regen um dich herum am Himmel tanzt. Laß uns durch die Nacht tanzen, Mond. Denn wir haben keine Zeit zu verlieren. Denke nicht, wir seien verrückt geworden. Wir lernen und spüren nur endlich, Mensch zu sein. Hier sind wir. Hol uns! Lieb uns! Wir lieben Dich. Ohne unsere Gottheit zu sein, verehren und beten wir dich an. Du bist der Anfang unserer Seele und die Seele unseres Endes. Mit all‘ deiner Liebe hast du uns aus deinem Körper in die Welt geboren, um dich schließlich ganz für uns hinzugeben und uns den Weg zur Harmonie mit unserer Mitwelt zu weisen. Doch wirklich verlassen hast du uns niemals. Im Gegenteil: Du bist uns gegenwärtiger als jemals zuvor und in uns wächst beständig die Sehnsucht, wieder ganz in dir zu sein.
Nachtklarer Himmel, die Magie deiner Gestirne findet langsam ihr Ende, denn die Nacht hat ihr Spiel verloren. Mit all ihrer Kraft lässt die Sonne den Tag anbrechen. In dieser Zwischenwelt des Soluar senden leise Trommeln aus weiter Ferne eine Nachricht über den Fluss:
„Regentropfen in der sol do luar – der Sonne des Mondscheins – künden von erwachendem Leben.
Mondscheinregen, Regensonne, Sonnenregen, Regen, Mond, Sonne und Leben.
Vergangenheitsmond, Zukunftssonne, Mondscheinsonne in der Heimat der Zukunft.
Es ist ein novo olhar do mundo e do ser – ein neuer Blick auf die Welt und das Sein irgendwo zwischen Sonnenmond und Mondsonne am dritten Ufer des Flusses“.
Nirgendwo sind wir. Wir transformieren und bleiben doch im Niemandsland zwischen Vergangenheit und Zukunft, voller Zweifel, ohne Reue. Wir feiern die Freiheit unseres Geistes, zelebrieren seine Flucht aus unserem Körper und können ihm doch nicht mehr folgen. Auf irgendeine Weise leben wir in Zwischenwelten, getragen von einer fortwährenden Sehnsucht nach dem Woanders und dem Hier, nach dem Gestern, dem Heute und dem Morgen. Die Heimat der Zukunft kann somit nur im Plural existieren. Vielleicht können wir uns die Hoffnung auf diese Heimaten aus der Zwischenwelt des Soluar bewahren, wenn wir das Nichtstun konsumieren, also den Überfluss, alle Ablenkungen und unnötigen Verpflichtungen loslassen. Dann bleibt das Wesentliche – das, was wirklich zählt. Doch dies wird nicht durch Anstrengung gelingen. Es entsteht vielmehr in der Mitte unserer inneren Ruhe.
Diese innere Ruhe erlaubt es uns, durch wirkliches Zuhören und Hinsehen uns selbst in unserer Mitwelt neu zu entdecken. Ein solches Entdecken als achtsam Werden ermöglicht uns im Neuen das wenige Wesentliche (wieder) zu entdecken und wertzuschätzen, das schon immer da war. Auf diesem unser Sein entgrenzenden Weg können wir dann die Kunst erlernen, sich aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu verwurzeln, im Bewusstsein des Endlichen zu leben und die Welt mit Zärtlichkeit zu umarmen. Alles Lebendige erscheint uns dabei als Du und nicht als Es. Dies ist die tiefste Form von Entdecken, eine die zu Erkenntnis führt und uns damit neue Quellen für Kreativität, Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit eröffnet. Aus ihnen kann schließlich die Fähigkeit in uns wachsen, den Übergang zu einem guten Leben in einer symbiotischen Zukunft bewusst mitzugestalten.
Völlig entspannt erwacht der Körper auf dem noch nachtklammen Bett. Die Nacht hindurch scheint es geregnet zu haben. Nun aber durchdringen erste Sonnenstrahlen den morgenfrischen Wald, erhellen das Innere der Hütte und lenken den Blick auf die sorgfältig über den Stuhl gehängte weiße Leinenhose. Ein Blick in den leeren Holzschrank wirft Fragen auf: Wann und vom wem wurden sie aus dem Schrank genommen? Ob sie dem Gesicht aus der Bahnhofslounge gehören? War es hier? Wohnt es hier? Und wie zerbrach das Bild am Boden? Vorsichtig aus den Scherben befreit lächelt ein glückliches Paar aus dem Foto entgegen. Es steht vor einem kleinen Lehmhaus, umsäumt von Bäumen. Aber wo sind die Bilder der zwei anderen Paare? Das Foto in den Rucksack verstaut, machen sich die Füße neugierig wieder auf den Weg.
Das Wenige
Ist die Methode
Um das Wesentliche zu erkennen
Wenn das Wenige dem Wesentlichen entspricht
Ist das Glück
Was wesentlich ist
Stellt sich nicht heraus
Indem man alles Mögliche ausprobiert
Sondern indem man alles weglässt
Was nicht nötig ist
John von Düffel: Das Wenige und das Wesentliche. Ein Stundenbuch.
[…] dominiert nach wie vor eine grob materialistische Anschauung von der Beschaffenheit unserer Natur. […] dass geistige Werte und ethische Normen nur losgelöst von diesem materialistischen Weltbild gesehen werden […] Dieses heute weitverbreitete dualistische Denken ist das Ergebnis einer […] Ausprägung des wissenschaftlichen […] Weltbildes. […] Nicht nur werden die Menschen dann in ihrer geistigen Orientierung verarmt, sondern auch die Wissenschaft verliert leicht ihre grundlegende Zielrichtung aus dem Auge, mit ihrer Wahrheitsfindung und dem technischen Fortschritt dem Wohl der Menschen zu dienen.
Frido und Christine Mann: Es werde Licht. Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik.



